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Die Truman ShowFilmpredigt "Die Truman Show" [Gen 2,4b-8 & Gal 5,1]

Liebe Gemeinde,

ist sie nun oder ist sie nicht? Ist die Truman Show ein wahrhaft gesegnetes Leben? Würden Sie leben wollen wie Truman Burbank? Nicht? Warum nicht? Er ist ein Star! Er lebt in einer vollkommenen Welt ohne Elend, ohne Not, ohne Krieg. Fast könnte man meinen er lebt im Paradies. Für alles wird gesorgt. Im Hintergrund werden die Fäden gezogen, damit alles in geregelten Bahnen verläuft. Sieht so das Leben des wahren Menschen aus - denn das bedeutet Truman ins Deutsche übersetzt. Eine schnelle Antwort liegt nahe. Aber die schnellen Antworten sind weder immer die richtigen noch die ehrlichen. Ziehen wir einfach los mit Truman Burbank durch seine gestylte, durch Product Placement finanzierte und von Gottvater Christof geschaffene Retorten-Welt.

Am 10.909 Tag der Show passiert es: Es regnet Studioscheinwerfer! Und Truman wird unruhig. Truman wird skeptisch gegenüber seiner Welt. Der dauerlächelnde Spaßvogel bekommt nachdenklich Züge - auch wenn das Radio umgehend vermeldet, dass ein Flugzeug über Seahaven Teile verloren hat. Der Keim des Misstrauens ist gesät. Und hier, wo Vertrauen gespielt und Freundschaft geheuchelt wird, hier ist das Misstrauen recht am Platz. Das Misstrauen des wahren Menschen gegenüber einer Welt, die ihm Wahrheiten vorgaukelt, die keine Wahrheiten sind!

Der ganze Film ist durchzogen von Wirklichkeitsbeweise, die eine Wirklichkeit beweisen, die in Wirklichkeit Inszenierung ist! Denken Sie an die Bilder aus Trumans Kindheit. So weit zum Thema: Ich glaube nur, was ich sehe! Man muss nicht alles glauben, was man sieht. Was uns vor Augen geführt wird, soll unser Glauben und Denken in bestimmte Richtungen führen. Das ist die Aufgabe der Werbung. Wir sollen eben nicht irgendeinen Kakao trinken, sondern Mococoa von den Hängen des Mount Kenia! Wer um Gottes willen kennt den Mount Nicaragua? Und was qualifiziert gerade den Mount Nicaragua, besonders gute Kakaobohnen hervor zu bringen? Egal, Mococoa haben wir gesehen und Mococoa greifen wir, wenn wir durch die Regale gehen. Ist ja auch egal. Ist ja nur Kakao!

Vielleicht tut uns manchmal ein wenig Misstrauen ja ganz gut. Damit wir nicht alles glauben, was wir sehen. Und bei Truman lernen wir das Hinsehen. Mit höchster Aufmerksamkeit nimmt er die Welt wahr, die ihm doch so vertraut ist. Und dann kommen die Fragen. Dann kommt die Sehnsucht. Dann kommt der Traum von Fidschi! Ja, genau hinsehen lohnt sich. Hinter die Kulissen schauen. Truman macht's vor. Vielleicht doch was Wahres an ihm?

Er hat nur zwei Augen. Die OmniCam Corporation hat über 5.000 Kameras. Die vollständige Überwachung ist garantiert. Big Brother kontrolliert aus dem 221. Stock alles. Fast alles. Denn in Trumans Herz und in seinen Kopf blickt keine Kamera. Dort, wo die Träume wachsen und die Sehnsucht nach Freiheit, dort enden die Fernsehbilder - auch wenn all die zig Millionen Zuschauer Trumans Traum von Fidschi kennen. Seine leuchtenden Augen, als er Marlon davon erzählt: Du kannst nicht weiter, sonst bist du wieder auf dem Rückflug. Es ist sein alter Kindheitstraum: Entdecker will ich werden, wie Magellan! Das hört man, aber die Kraft der Sehnsucht hört man nicht. Ich will raus hier! Der Traum ist die Quelle der Veränderung.

Und sein Traum hat auch einen Namen: Lauren alias Silvia. Sie ist Fidschi. Ihr zusammen gepuzzeltes Bild, Fragment und in seiner Unvollkommenheit absolut unpassend in Seahaven, steckt hinten im Rahmen - vorne seine perfekt lächelnde Frau Meryl. Aber Silvia steht für eine andere Wahrheit: Sie wissen über dich Bescheid. Alle verstellen sich. Das hat sich ihm eingeprägt. Und er verabschiedet sich von Silvia - nicht von Lauren! Und sie hinterlässt ihn den Button mit der entscheidenden Frage: How´s it going to end? Wie wird es ausgehen? Wird die Angst die Oberhand behalten oder die Sehnsucht nach Freiheit, nach wirklichem Leben in einer nicht perfekten Welt? Was wird am Ende zählen für den wahren Menschen Truman Burbank?

Die Angst ist ein zentrales Motiv des Film. Die Angst hält Truman in Seahaven. Die Angst vor dem Meer. Die Schuldgefühle wegen des Todes seines Vaters, die von Frau und Mutter immer schön warm gehalten werden. Seahaven, das Paradies, bekommt einen faden Beigeschmack. Für Truman ist es ein Gefängnis auf höchstem Niveau. Und dann kommen sich Angst und Sehnsucht nach Freiheit in die Quere. Und das ist gut so. Denn zur Freiheit hat uns Christus befreit! Das gehört unbedingt zum wahren Menschsein, die Freiheit, die Sehnsucht nach Freiheit. Die Angst sagt: Lass es. Die Freiheit sag: Sei ein Entdecker! Was nun? Lohnt es sich denn?

Und dann geht es das erste Mal in die Tiefe. Marlon und Truman sitzen unter dem fanatstisch-schön-künstlichen Nachthimmel. Und Truman fragt: Hast du schon einmal daran gedacht, dass dein Leben auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sein könnte? Es ist die Frage nach dem Sinn meines Lebens. Wohin soll die Reise gehen? Und Marlon antwortet im beschränkten Horizont von Seahaven: Nein, hier ist es am schönsten! Aber Truman ahnt eine andere Wirklichkeit hinter dem begrenzten Horizont von Seahaven. Fidschi. Sein Ziel ist nicht Christofs Ziel. Die Grenzen beginnen zu bröckeln.

Doch bis ins kleinste Detail wird an Trumans Angst gefeilt. Erinnern Sie sich an die beiden Plakate im Reisebüro? Köstlich! Auf dem einen die Warnung: Achtung Reisende: Wir versichern Sie gegen Terroristen, Seuchen, wilde Tiere und Strassengangs. Und das andere: Ein Flugzeug, das vom Blitz getroffen wird. Das könnte dir passieren! Eine Karikatur der Freiheit. Ein Spiel mit der Angst.

Und dann die Leere in seinem Gesicht als er allein im Bus sitzt. Und wie sie ihn wieder einfangen im Wald. Die Traurigkeit kehrt ein in Seahaven. Und die Verzweiflung. Keinem trauen können. Alle verstellen sich. Die eigene Frau. Kakao statt Verständnis. Der beste Freund. Gefühle aus dem 221. Stock.

Filmszene: Mit Marlon unter künstlichem Nachthimmel

Einflüsterungen Christofs: Ich würde mich jederzeit vor ein fahrendes Auto für dich werden, Truman - und eins würde ich ganz sicher nie tun, dich anlügen! Lügen ist anscheinend auch im perfekten Seahaven kein Problem. Und deutlicher als unter dem inszenierten Nachthimmel neben seinem Pseudo-Freund könnte Trumans Einsamkeit gar nicht ins Bild gesetzt werde. Große Gefühle. Verlogen und inszeniert. Der vor tiefer Freude über die Rückkehr des Vaters weinende Truman. Und die Zuschauer jubeln!

Christof. Der Mann im 221. Stock. Herr über die 5.000 Kameras. Einer, der sein Privatleben sorgfältig schützt! Dass er Truman Gleiches gönnt, kann man nicht unbedingt sagen. Truman hat kein Privatleben. Nein, ein schlechtes Gewissen hat Christof deshalb nicht: Ich gab Truman die Chance, ganz normal zu leben. Die Welt jenseits von Seahaven ist pervers. Seahaven ist so wie die Welt sein sollte.

Immer deutlicher wird die Selbstvergottung Christofs. Er weiß, was für Truman gut ist. Er lässt die Sonne in der Nacht aufgehen: Und Gott sprach: Es werde Licht und es ward Licht! Er gebietet dem Sturm und den Blitzen. Er ist der Herr über Leben und Tod. Er ist der Schöpfer. Der Mensch tritt an Gottes Stelle.

Da lohnt es sich genau hinzusehen. Denn das erste Paradies, der Garten, in den Gott den Menschen setzt, ist anders. Es ist ein Lebensraum, kein Gefängnis. Und es ist ein barmherziger Gott, der dem Menschen dort Heimat gibt. Und barmherzig bleibt er, als das Paradies verloren ist. Ein Gott mit Leidenschaft für das Leben. Ein gütiger Gott. Einer, der den Schrei aus der Tiefe hört und sein Volk in die Freiheit führt.

Und Christof? Ein verzerrtes Gottesbild. Ein selbstverliebter Narziss, der es nicht ertragen kann, dass sein Geschöpf auf eigenen Füßen eigene Wege gehen will. Die Werbeverträge interessieren ihn vielleicht wirklich nicht, aber die Macht. Er spricht und es geschieht. Er zieht die Fäden. Rachsüchtig, wenn sein Geschöpf nicht tut, was er will. Nein, es ist nicht gut, wenn der Mensch im Himmel Platz nimmt. Es ist wichtig, seine Grenzen zu kennen. Christof kennt sie nicht mehr.

Und die Zuschauer? Die Konsumenten echter und inszenierter Gefühle. Sie sind für Peter Weir genauso weit weg vom wirklichen Leben wie Truman. Sie akzeptieren die Realität der Welt so wie sie ihnen dargeboten wird. Sie fragen nicht: Wer bietet da was dar und warum? Sie mischen sich nicht ein. Sie konsumieren aus sicherer Distanz. Sie sehen den wahren Menschen Truman Burbank um seine Bestimmung ringen. Um seine Freiheit gegen seine Angst. Aber sie bleiben Zuschauer. Sie erkennen sich selbst nicht in ihm!

Aber Gottes Welt aus Recht und Gerechtigkeit hat keine Zuschauertribünen! Das Paradies will erstritten sein. Der Horizont weitet sich, wo wir in den weiten Horizont hinein treten. Die Welt ist wie sie ist. Mit Licht und viel Schatten. Im Gegensatz zu Christofs Welt ist sie nicht gut. Sie soll es werden. Aber damit sich etwas bewegt, müssen Menschen sich den Risiken des Lebens auszusetzen. Jenseits der Angst und der Sicherheit beginnt Neuland. Neuland des Vertrauens. Hier beginnt das Land des Glaubens. Das Land der Verheißung - ohne Zuschauertribünen.

How´s it going to end? Wie wird es ausgehen? Hat Christof recht: Er könnte jederzeit gehen. Wenn er wirklich im Innersten entschlossen wäre, die Wahrheit heraus zu finden, könnten wir das unmöglich verhindern. Aber Truman zieht die Zelle vor! Was wird der wahre Mensch tun im Angesicht seines zornigen Schöpfers. Was darf er sein, frei oder verängstigt?

Was, wenn die Angst nicht mehr lähmt. Was, wenn der Sturm den Mut und den Willen des Entdeckers nicht mehr wegblasen kann? Und was, wenn hinter dem Sturm, hinter der Angst die Tür zum wirklichen, wahren Leben wartet? Bitte Gott. Lass ihn gehen. Lass mich gehen. Durch diese Tür. Gegen alle Angst. Mitten hinein in die Freiheit der Kinder Gottes. Fidschi. Wir werden erwartet. Egal, was sonst noch läuft.

Amen