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Das Beste kommt zum SchlussPredigt: „Das Beste kommt zum Schluss" & Offb. 21,1-5

Liebe Gemeinde!

Schön, dort auf dem Berg. Mit wunderbarem Ausblick auf das Dach der Welt. Keine Wolke am Himmel. Ein besonderer Ort. Ein Ort, an dem man in der Tat etwas Majestätisches sehen, erleben, erfahren kann. Gesehen haben Edward Perryman Cole und Carter Chambers das Majestätische ihrer letzten Ruhestatt nie. Diesen Punkt konnten Sie nicht mehr von ihrer Liste streichen. Und doch waren sie am Ende genau dort, wo sie hin wollten. Weil ein Anderer ihre Sehnsucht wahrgenommen hat und mit seinem Leben in diese Sehnsucht eingetreten ist. Aber wer weiß: Vielleicht haben Sie das Majestätische ja doch gesehen, obwohl sie nie dort waren!

Mit einer Frage werden wir auf den Weg gebracht: Woran misst man ein Leben? Was wird mein Leben einmal gewesen sein, wenn nur noch der Rückblick bleibt? Wenn nichts mehr zu ändern ist. Wenn es eben ist, was es ist? Das ist eine gute Frage. Denn sie hat mit dem Leben zu tun und nicht in erster Linie mit dem Tod. Was hat für mich einen Wert? Was sind die Werte, die mein Leben prägen? Wird es am Ende vielleicht auch einen Menschen geben, der von mir sagt: Ich weiß, als er starb waren seine Augen geschlossen und sein Herz war offen.

Die Bucket-List ist im Grunde eine Suche nach dem, was Leben sinnvoll und wertvoll macht. Und das nicht einseitig schwer, sondern mit Humor und Witz. Als wolle der Film uns zeigen, dass das Beste, das zum Schluss kommt, schon immer als Gelassenheit und Vertrauen in dieses Leben hinein wirkt. Als spielerisch-leichte Lebensfreude mit Kraft und Tiefgang.

Natürlich hat der Film nicht nur zwei Hauptrollen, sondern auch zwei Charakterköpfe. Morgan Freeman als der gebildete Automechaniker Carter Chambers, der jede Enzyklopädie in den Schatten stellt. Familienvater und über 40 Jahre verheiratet. Einmal angetreten um Philosophieprofessor zu werden und erster schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten. Und er liebt Chuck Fullonat´s himmlischen Instantkaffee.

Und dann Jack Nicholson als arroganter Machtmensch Edward Cole. Seit er 16 war ging es im Wesentlichen ums Geld verdienen. Vier gescheiterte Ehen, keinerlei Freunde oder Sozialkontakte. Dafür Geld ohne Ende und einen Assistenten, der ein Geschenk des Himmel ist. Und immer dabei: Sein exklusives Set zur Zubereitung des edelsten Kaffees der Welt: Kopi Luwag.

Und natürlich der Dritte im Bunde. Sean Hayes. Heißen Sie eigentlich Tom oder Thomas? Eigentlich Matthew, aber das findet er zu biblisch. Coles Assistent. Sein Alter Ego. Vielleicht sogar so ein bisschen Carter in Coles Leben. Er erträgt Cole. Er kümmert sich um ihn. Er hält ihm stand. Er hält ihm einen Spiegel vor: Ich würde Ihnen gern sagen, dass Sie ein freundlicher Mensch sind und ich meinen Job liebe. Aber auch das wäre gelogen!

Thomas behält Coles Tochter im Auge. Er sammelt die Teile der zerrissenen Liste auf und klebt sie wieder zusammen. Er ist die gute Seele in Coles Leben. Thomas als humorvoller Stellvertreter des Guten. Und Matthew vollendet die Bucket-List.

Und die erste Begegnung zwischen Thomas und Carter ist ein Schmankerl. Krankenzimmer. Thomas tritt ein, Carter liegt im Bett. Thomas: Was tun Sie hier? Und Carter: Oh, nur ein bisschen um mein Leben kämpfen. Erst dann kommt Cole. Das Leben in unermesslichem Reichtum trifft auf das Leben in nahezu grenzenlosem Wissen.

Carter weiß, was er im Krankenhaus zu tun hat. Cole prahlt bezüglich seines Essens: Das Beste in L.A. Und Carter kontert als Cole sich übergibt: Jetzt ist es das Beste in L.A. gewesen. Und bei Cole kommt wohl zum ersten Mal die Dramatik der Situation an: Mein Gott, irgendwo da draußen kriegt so ein Glückspilz gerade eine Herzattacke. Nicht das Beste kommt zum Schluss, sondern am Besten kommt es bald zum Schluss.

Und dann unterhalten sich die Beiden. Mehr und mehr. Und zeigen sich Teile ihres Lebens. Vorsichtig noch. Aber doch so, dass Cole geradezu philosophisch wird: 45 Jahre vergehen schnell - ja, wie ein Rauch, der durch ein Schlüsselloch zieht.

Und dann betet der Agnostiker Cole. Natürlich nachts im Bett und leise und nicht ohne zu versichern, dass er nicht bete: Habe ich meinen Verstand vielleicht schon verloren? Herrgott, nein. Nicht, dass du denkst, ich bete. Nein, nein, Gott, das hier - nicht, dass du denkst, ich bete! Ich führe nur Selbstgespräche. Der Schrei aus der Tiefe ist ein uraltes biblisches Motiv. Wurzelnd im Auszug aus Ägypten. Gott hört das Schreien. Gott nimm wahr, wo das Leben in die Krise kommt. Und führt sein Volk in die Freiheit. Gott hört den Schrei aus der Tiefe auch wenn er nur ein Flüstern ist. Auch den von Edward Cole?

Und dann die Diagnose. Brillante Inszenierung: Coles Augen in der Spezial-Brille. Ein Mensch reduziert auf seine Augen. In denen sich Entsetzen spiegelt, Leere. Die Augen als Spiegel der Seele. Nie krank. Steinreich. Alles gehabt. Und nun: 6 Monate, vielleicht noch ein Jahr. Der Macher kann nichts mehr machen. Der Mensch an der Grenze seiner Möglichkeiten.

Carter hat da noch keine Diagnose. Und doch beginnt er in dieser Szene mit dem Schreiben der Bucket-List. Ein metaphorischer Gedanke. Keine Umsetzung geplant, blablabla. Aber Cole sieht das anders. Und aus der Carter-Liste wird eine gemeinsame Liste. Aus dem Nebeneinander wird ein Miteinander. Die Liste bringt sie zusammen. Die Liste der Dinge, die noch passieren sollen bevor sie den Löffel abgeben. Die Liste der Dinge, die in ihrer Lebensbilanz nicht fehlen sollen. Weite kehrt ein in das Krankenzimmer. Leben pulsiert in tödlicher Atmosphäre. Und da lachen sie zum ersten Mal zusammen.

Doch dann Carters Streit mit seiner Frau. Vorwürfe. Darf er nicht anders sein als er bisher war? Ich habe ein wenig Zeit für mich verdient. Ein wenig Zeit ist viel Zeit, wenn man nicht weiß, wie viel Zeit einem noch bleibt. Er will nicht alle Zeit, sondern die Zeit, die er braucht, um sich zu vergewissern, wer er ist und was sein Leben ausmacht. Und diese Zeit braucht er für sich. Nicht aus egoistischen Motiven, sondern um Grundlegendes zu klären. Denn indem er klärt, wer er selbst ist, klärt er auch, wer die Anderen für ihn sind.

Er braucht eine Unterbrechung. Wir brauchen die gelegentlich auch. Jesus geht 40 Tage in die Wüste um zu klären, worauf es ankommt. Den Lauf des Lebens unterbrechen. Sich besinnen. Darauf, was ist und das was sein soll. Darauf, was wichtig ist und was nicht. Darauf, was im Leben Platz haben soll und was egal ist. Jesus kommt aus der Wüste und ist er selbst. Carter kommt aus der weiten Welt und ist er selbst. Hat zu sich gefunden, seinen Frieden gemacht mit Gott.

Und dann geht´s los. Fallschirmspringen. Das ist Leben - Ich kann dich auf den Tod nicht ausstehen! Das Autorennen. Das Leben nimmt Fahrt auf. Da ist Musik drin. Man könnte fast meinen, es gehe bei der Bucket-List ums Vergnügen. Könnte man. Aber es geht um mehr.

Filmszene: Im Flugzeug 45:23 - 47:34(ð Carter / Cole)

Die Sterne, die sind Gott außerordentlich gut gelungen. So beginnt die Diskussion um die Existenz Gottes. Nicht zu beweisen. Nur zu glauben. Empirische Erkenntnisse ziehen bei Cole nicht: Wenn mich das Leben eins gelehrt hat, dann dass 95% der Menschen immer falsch liegen! Und doch: Ganz ehrlich, ich beneide Menschen, die glauben können. In den Kopf geht´s mir trotzdem nicht. Und dann wieder der coole Cole. Und doch auch der schwer zu durchschauende Cole: Halleluja, Bruder - und reich den Senf rüber!

Dann Ägypten: Ich wünschte, ich hätte dich vor unserem Tod kennen gelernt. Da sind sie Freunde. Und Ewigkeit weht in ihr Leben. Das ägyptische Himmelstor. Die zwei Fragen: Ist es dir gelungen, Freude im Leben zu finden? Hat dein Leben anderen Freude gebracht? Nah dran übrigens am Doppelgebot der Liebe. Cole windet sich, aber er weiß: Bei diesen Fragen hat er verloren. Sein Leben passt nicht zu diesen beiden Fragen.

Dann das Scheitern am Berg. Sie kommen nicht hoch. Sie erreichen nicht die vollkommene Stille, in der man die Stimme Gottes vielleicht hören könnte. Eine alte biblische Tradition. Die Nähe zu Gott auf dem Gipfel des Berges. Der Ort, von dem aus man einen inneren Blick werfen kann in die andere Welt. Dem Himmel nah und der Erde entrückt. Der Berg als Ort der Gottesbegegnung. Als heiliger Ort. Das bleibt ihnen verwehrt. Das Majestätische erleben sie nicht gemeinsam. Diesen Punkt bekommen sie nicht von der Liste. Alle, nur diesen einen nicht. Oder am Ende vielleicht doch?

Dann ist die Zeit der Klärung vorüber. Zurück ins Leben. Zurück ins alte Leben. Cole wehrt sich: Alles sollte nur Spaß machen. Es hat mich nicht verändert. Carter bei seiner Familie. Cole einsam bei seinem Kopi Luwag. Und dann weint er. Indirekt im Fenster als ob er es direkt nicht könnte. Zurück ins Leben. Aber nach der Unterbrechung ist es anders. Die Uhr tickt. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Im Krankenhaus: Lachen bis ich weine. Carters Tod.

Und sein Abschiedsbrief: Als Fremder bin ich gegangen, als Ehemann zurück gekehrt. Die Unterbrechung hat sich gelohnt. Mein Pastor sagt immer: Jedes Leben ist ein Bach, der in denselben Fluss mündet. Und in ein Jenseits fließt, das im Nebel hinter den großen Wasserfällen liegt. Lieber Freund, schließe deine Augen und lass dich von dem Fluss nach Hause tragen. Und weil das so ist und weil wir das so glauben dürfen und weil du das so glauben darfst: Finde die Freude in deinem Leben.

Und der Brief wirkt. Cole kommt in Bewegung. Er versöhnt sich mit seiner Tochter küsst seine Enkeltochter: Die schönste Mädchen der Welt küssen. Er hält Carters Grabrede. Einem Fremden etwas Gutes tun.: Er hat mein Leben gerettet. Und wenn ich eines Tages an eine letzte Ruhestätte gelange und es dazu kommen sollte, dass ich vor einer bestimmten Pforte aufwache, hoffe ich, dass Carter dort ist um ein gutes Wort für mich einzulegen und mir den Weg auf die andere Seite zu zeigen. Das hoffen wir Christen genau so auch. Nur setzen wir nicht auf Carter, sondern auf Jesus Christus. Aber wie Cole bleibt uns am Ende nur das vertrauen, dass ein Anderer uns den Weg auf die andere Seite zeigt.

Das Beste kommt zum Schluss: Die Bucket-List wird von oben nach unten geschrieben, aber von unten nach oben abgearbeitet. Die wirklich wichtigen Punkte kommen zum Schluss. Das Beste kommt zum Schluss. Und am Ende ist das Ende gar nicht das Ende. Und das Erleben des Majestätischen ist nicht der Fernblick vom Gipfel des Berges, sondern der Blick in eine andere Welt. Ein guter Ort für die letzte Ruhe. Und sei´s in einer Dose von Chuck Fullonat´s himmlischem Kaffee. Carter und Cole am Ende Seite an Seite.

Das Beste kommt zum Schluss erinnert an das Leben, das hier und jetzt beginnt. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich lebe und ihr sollt auch leben. Der Film mahnt uns auf freundliche Weise, das Leben genau zu betrachten. Nicht einfach drauf los zu leben, sondern unsere Bucket-List zu schreiben - und zwar nicht erst 6 Monate vor Torschluss. Und das im Vertrauen auf Gott, der uns zusagt: Siehe ich mache alles neu!

Das beste kommt zum Schluss. Die Wahrheit über Kopi Luwag und das eigene Leben. Der Blick ins Weite mit einem vertrauenden Herzen. Und die Freude. Halleluja, Bruder - und reich den Senf rüber!

The Mountain ð CD Nr.11 Amen