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Die Feier des Abendmahls

Die Bibel erzählt:
Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten wurde und mit seinen Jüngern zu Tisch saß, nahm das Brot, sagte Dank und brach´s, gab´s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nach dem Mahl nahm er den Kelch, sagte Dank, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das tut zu meinem Gedächtnis.

Die evangelische Kirche kennt zwei Sakramente: Die Taufe, die einmalig ist; und das Abendmahl, das immer wieder neu gefeiert werden soll. In vielen evangelischen Kirchen hat sich deshalb inzwischen ein regelmäßiger, fester Abendmahlssonntag pro Monat ergeben. Bei uns in der St. Ulrich-Kirche hat der Kirchengemeinderat ca 10 Gottesdienste im Jahr mit integriertem Abendmahl festgelegt:

    • feste Termine sind zu den besonderen Zeiten des Kirchenjahres: Altjahresabend, Karfreitag, Osternacht, Pfingsten, Totensonntag;
    • flexiblere Termine sind in den dazwischen liegenden und kirchenjahreszeitlich weniger besetzten Monaten: etwa am letzten Sonntag nach Epiphanias, im Frühsommer und im Herbst.
    • zweimal bezieht das Abendmahl vor allem die jeweilige Konfirmandengruppe ein, und zwar aktiv: Ende September/Anfang Oktober, als praktische Erfahrung, wenn das Thema im KU besprochen wird; und dann wieder in der Vorbereitung auf die Konfirmation.

Brot und Wein …
… sind die Elemente des Abendmahls. Zu den Abendmahlsfeiern In der St. Ulrich-Kirche werden nicht nur die Hostien gereicht, manchmal werden auch Körbe mit Brotstücken herumgegeben, bei Bedarf auch glutenfreies Brot. Wein ist nur an den hohen Feiertagen im Kelch, ansonsten wird Traubensaft verwendet. Die in Altenriet von vielen bevorzugte Form ist die „intinctio“ – man taucht das Brotstück/die Brothostie also in den Kelch. Sie läuft jedoch mit der traditionellen Form parallel: zuerst wird das Brot/die Hostie gegessen, danach aus dem Kelch getrunken.

… und was sie bedeuten:
Warum wird eigentlich das Abendmahl bei uns so gefeiert, wie es gefeiert wird?
Hier einige Stichworte zu einer Theologie des Abendmahls:

Erinnerung:
Unser Abendmahl erinnert an das letzte Mahl Jesu im Kreise seiner Jünger am Abend vor seiner Kreuzigung. Jesus hat seinen Jüngerinnen und Jüngern aufgetragen, immer wieder Abendmahl zu feiern und sich darin an ihn und an seinen Tod und seine Auferstehung zu erinnern: … das tut zu meinem Gedächtnis …(1. Kor 11,23-26).
Hinter diesem Abendmahl steht die ältere Tradition des Sederabends, der das jüdische Pessachfest eröffnet und der an die Befreiung des jüdischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten erinnert (2. Mose 12f).

Verwandlung:
Beichte und Zuspruch der Vergebung geben mir die Chance, mich selber ganz wahrzunehmen mit Licht und Schatten. Es hilft mir nicht weiter, wenn ich meine Fehler ständig übersehe oder anderen die Verantwortung dafür zuschiebe. Ich darf zwar zu Gott kommen so, wie ich bin; aber vor Gott muss ich nicht der alte Mensch bleiben, der ich bin. Wenn Jesus Christus im Abendmahl unter der Gestalt von Brot und Wein real präsent ist, wie Martin Luther lehrt, dann verwandelt sich das Leben der glaubenden, klagenden, hoffenden Gäste an seinem Abendmahlstisch nicht weniger real: …ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Kor 5,17).
In unserer Abendmahlsliturgie in der St. Ulrich-Kirche wird die im Stillen Gebet vorgebrachte persönliche Beichte gerne mit dem gesungenen EG 589 „Meine engen Grenzen“ oder mit EG 236 „Ohren gabst du mir“ von der ganzen Gemeinde aufgenommen. Gottes Zuspruch der Vergebung wird mit EG 544 „Von Gott kommt mir ein Freudenlicht“ oder mit dem Taizé-Lied EG 576 „Meine Hoffnung und meine Freude“ beantwortet.

Gemeinschaft:
Und zwar in doppelter Hinsicht: Wenn Gott mir über alles Zwiespältige, Halbherzige, Abgründige in meinem Leben hinweg trotzdem seine unverbrüchliche Gemeinschaft anbietet, dann hat das Auswirkungen in mein tägliches Leben hinein: wie ich – anders vielleicht – mit den Menschen umgehen kann, die mir das Leben schwer machen, oder denen ich das Leben schwer mache. Die im Abendmahl zugesprochene Vergebung eröffnet neue Möglichkeiten der Begegnung und eines neuen Umgangs miteinander: den ersten Schritt riskieren, einen Neubeginn wagen, aus der Versöhnung heraus leben.
Sichtbare Zeichen für die Möglichkeit von Vergebung und neuer Gemeinschaft sind in unserer Abendmahlsfeier die Weitergabe des empfangenen Friedensgrußes und das abschließende Schließen des Kreises zum Entlaßwort.

Wegzehrung und Hoffnung
Die Elemente des Abendmahls weisen über sich hinaus: Brot und Wein sind mehr als nur Brot und Wein. Die Mahlgemeinschaften Jesu sind Zeichenhandlungen, die auf die Verheißung des Gottesreiches vorgreifen: schon jetzt und noch nicht. Versteht man das Leben als eine Pilgerschaft, als ein „Unterwegs-Sein zu Gott“, so ist das Abendmahl Stärkung und Ermutigung für diesen Lebensweg.

Hausabendmahl:
Nicht alle, die zu einer Abendmahlsfeier in die Kirche gehen wollen, können dies auch tatsächlich tun. Mögen es Krankheiten, Einschränkungen und Behinderungen oder andere persönliche Gründe sein, die daran hindern. Deshalb gibt es die Möglichkeit des Hausabendmahls; also: wenn Sie nicht zur Kirche kommen können, dann kommt die Kirche zu Ihnen nach Hause. Dafür hat Ihr Pfarrer ein Hausabendmahlsgerät. Lassen Sie es ihn also wissen, wenn Sie das Abendmahl empfangen möchten.
Termine – dabei ist besonders auch an die Adventszeit und an die Passionszeit zu denken – sollten Sie rechtzeitig mit dem Pfarrer vereinbaren. Für die häusliche Feier des Abendmahls müssen Sie nichts weiter vorbereiten, nur Ihre Türe und Ihr Herz öffnen - natürlich nicht nur dem Pfarrer, der zu Ihnen nach Hause kommt, sondern vor allem dem Herrn, der unter der Gestalt von Brot und Wein bei Ihnen anklopft und Ihr Gast sein will (vgl. Offenbarung 3,20).